
Hängt Bulgarien noch an russischer Energie? Gas, TurkStream und Lukoil erklärt
Bulgarien kauft seit 2022 kein russisches Gas mehr, doch via TurkStream fließt es weiter durchs Land. EU-Verbot, neue Lieferwege und die Lukoil-Raffinerie.
Bulgarien kauft kein russisches Gas mehr: Gazprom stoppte die Lieferungen an Bulgargaz am 27. April 2022, sie wurden nie wieder aufgenommen. Russisches Gas floss aber auch 2025 noch durch das Land – über die TurkStream-Route nach Serbien und Ungarn. Die größte Raffinerie des Landes in Burgas gehört weiter dem russischen Konzern Lukoil, wird aber seit November 2025 von einem staatlich bestellten Sonderverwalter geführt.
Warum hat Gazprom Bulgarien 2022 den Gashahn zugedreht?
Gazprom begründete den Stopp damit, dass Bulgargaz nicht in Rubel gezahlt habe, wie es ein Dekret des russischen Präsidenten verlangte. Der damalige Ministerpräsident Kiril Petkow nannte die Forderung nach einem neuen Zahlungsverfahren einen „schweren Bruch eines laufenden Vertrags“, der Energieminister sagte, Bulgarien werde „nicht unter Druck verhandeln“, berichtete Al Jazeera.
Fließt noch russisches Gas durch Bulgarien?
Zumindest bis vor Kurzem ja. Laut Energynomics hat Gazprom fast die gesamte Kapazität der Route durch Bulgarien gebucht, rund 13 Mrd. m³ pro Jahr. Im September 2025 sagte Ministerpräsident Rossen Scheljaskow, Verträge über Nutzung oder Transit von russischem Gas sollten 2026 enden und russisches Gas bis 2028 ganz vom Markt verschwinden. Bis Oktober 2026 haben wir keine Bestätigung von Bulgartransgaz oder dem Energieministerium gefunden, dass der Transit beendet ist, ebenso wenig eine erklärte Position der neuen Regierung. Behauptungen in die eine oder andere Richtung sind daher unbestätigt.
Ab wann gilt das EU-Verbot für russisches Gas?
Die 27 EU-Staaten haben die Ausstiegsverordnung am 26. Januar 2026 formell angenommen, teilte der Rat mit. Laut der Zusammenfassung der Kanzlei Arendt gilt:
| Vertragsart | Letzter Tag für russische Importe |
|---|---|
| Kurzfristig, LNG | 25. April 2026 |
| Kurzfristig, Pipelinegas | 17. Juni 2026 |
| Langfristig, LNG | 1. Januar 2027 |
| Langfristig, Pipelinegas | 30. September 2027 |
Bis zum 1. März 2026 mussten die Mitgliedstaaten außerdem nationale Diversifizierungspläne vorlegen.
Woher bekommt Bulgarien heute sein Gas?
Laut Energynomics deckt Bulgarien seinen Verbrauch mit LNG-Importen, die über Griechenland kommen. Die IGB-Leitung von Komotini nach Stara Sagora ist 182,6 km lang und transportiert 3 Mrd. m³ pro Jahr, mit einer Verdichterstation ausbaubar auf 5 Mrd. m³, so der Betreiber ICGB; kommerziell in Betrieb ist sie seit Oktober 2022. Bulgartransgaz hält zudem 20 % am LNG-Terminal Alexandroupolis in Griechenland, das laut Gastrade seit dem 1. Oktober 2024 arbeitet.
Wer führt die Raffinerie in Burgas nach den US-Sanktionen gegen Lukoil?
Die USA verhängten am 22. Oktober 2025 Sanktionen gegen Lukoil und Rosneft. Laut BTA hält Lukoil über Litasco 89,97 % an Lukoil Neftochim Burgas. Das Parlament erweiterte die Befugnisse eines staatlichen Sonderverwalters; der damalige Präsident Rumen Radew legte ein Veto ein, weil das Gesetz „Willkür und Missbrauch Tür und Tor öffne“. Die Abgeordneten überstimmten ihn am 13. November 2025 mit 128 zu 59 Stimmen (Sofia Globe). Zum Verwalter wurde Rumen Spezow ernannt; am 3. Juni 2026 ersetzte ihn das Kabinett von Ministerpräsident Radew durch Ewgeni Simeonow und nannte einen fehlenden Sanierungsplan und mangelnde Transparenz als Gründe. Details zur US-Lizenz finden Sie in unserem Bericht zur Lukoil-Lizenz.
Die Rückkauf-Debatte: Spezow sagte im Mai 2026 bei bTV, der Staat habe eine „historische Chance“, die Raffinerie zum Marktpreis zurückzukaufen (BTA). Finanzminister Galab Donew erklärte, zuerst sei eine Bewertung von Wert und Nutzen nötig; das Thema stehe nicht auf der formellen Agenda der Regierung (Novinite).
Was bedeutet das für Einwohner und Besucher in Varna?
Gas für Haushalte und Betriebe in Varna kommt nicht mehr über einen Vertrag mit Russland, und die EU-Fristen betreffen Importverträge, nicht Haushalte. Die Spritpreise hängen von den Weltmärkten und der Raffinerie ab: siehe Spritpreise im Oktober 2026. Zum politischen Hintergrund lesen Sie Ist Bulgarien prorussisch? und Bulgariens Sanktionen und Ukraine-Hilfe.
Quellen
- Gazprom – Lieferstopp für Bulgargaz und PGNiG (27.04.2022, engl.)
- Al Jazeera – Gazprom stoppt Gas für Polen und Bulgarien (27.04.2022, engl.)
- EU (EAD, Erklärung des Rates) – Endgültiges grünes Licht für schrittweises Verbot russischer Gasimporte (26.01.2026, engl.)
- Arendt – EU verabschiedet Verordnung zum Ausstieg aus russischem Gas und Öl (02.02.2026, engl.)
- Energynomics – Bulgarien will Transit von russischem Gas 2026 beenden (25.09.2025, engl.)
- ICGB – Infrastruktur der IGB-Leitung (engl.)
- Gastrade – Über uns (Anteilseigner des LNG-Terminals Alexandroupolis, engl.)
- BTA – US-Sanktionen gegen Lukoil und ihre Folgen für Bulgarien (23.10.2025, engl.)
- Sofia Globe – Parlament überstimmt Veto zum Lukoil-Sonderverwalter (13.11.2025, engl.)
- Sofia Globe – Regierung Radev ersetzt Lukoil-Sonderverwalter (03.06.2026, engl.)
- BTA – Spezow sieht „historische Chance“ für Rückkauf der Raffinerie (17.05.2026, engl.)
- Novinite – Finanzminister Donew zu einem möglichen Rückkauf (18.05.2026, engl.)
Häufige Fragen
Kauft Bulgarien noch russisches Gas?
Nein. Gazprom stellte die Lieferungen an Bulgargaz am 27. April 2022 ein, sie wurden nicht wieder aufgenommen. Bulgarien deckt seinen Bedarf vor allem mit LNG, das über Griechenland kommt, auch über die IGB-Leitung (Energynomics).
Fließt noch russisches Gas durch Bulgarien?
2025 ja: TurkStream-Gas fließt durch Bulgarien nach Serbien und Ungarn. Die Regierung erklärte 2025, Transitverträge sollten 2026 enden; bis Oktober 2026 haben Bulgartransgaz und das Energieministerium jedoch kein Ende bestätigt.
Wann gilt das EU-Verbot für russisches Gas vollständig?
Nach der am 26. Januar 2026 verabschiedeten Verordnung enden langfristige LNG-Verträge am 1. Januar 2027 und langfristige Pipelineverträge am 30. September 2027.
Wer führt die Raffinerie in Burgas jetzt?
Eigentümer bleibt Lukoil, geführt wird sie von einem staatlich bestellten Sonderverwalter. Im Juni 2026 löste Ewgeni Simeonow Rumen Spezow ab.



